Migration
Unser interkulturelles Fest
von Ingeborg Becker-Textor
Eine Teamfortbildung führte mich in einen 4-gruppigen Kindergarten in Würzburg, der von Kindern aus 29 Nationen besucht wird. Können Sie sich die Vielfalt der Sprachen vorstellen, die unterschiedlichen Kulturen, die sich hier begegnen?
Schnell war klar, dass wir mit einem theoretischen Konzept aus allgemeinen Aussagen zu Integration und Migration oder mit den Ratschlägen, die wir in den Bildungsplänen der Länder finden, hier nichts erreichen können.
In der Kita erleben wir die Realität – unser praktisches und kreatives Handeln ist gefordert.
Die Idee
So ist die Idee eines interkulturellen Festes geboren und erste Überlegungen im Team wurden angestellt.
Probleme?
Zeit für Gedanken über mögliche Probleme wurde erst gar nicht „verschwendet". Ausgangspunkt sollten ja die vorhandenen Ressourcen sein!Alle sollen Akteure sein, es gibt kein Sprachhindernis.Alle sind Experten. Alle sollen sich in der Einrichtung wiederfinden und unverzichtbar werden.Jeder kann stolz auf das Anderssein sein. Vielfalt soll erlebbar werden.Alle Kulturkreise werden vorgestellt.Sprachen und Traditionen erlangen eine Gleichwertigkeit. Nichts ist unmöglich!
Gemeinsam wurden Ideen gesammelt und nichts vorzeitig verworfen. Faszination und Motivation der Kinder und Eltern halfen dem Team festgefahrene Muster und Strukturen aufzubrechen.
Das Fest
Das Fest wurde ein großer Erfolg des gegenseitigen Kennenlernens und der Akzeptanz. Wir hörten viele Sprachen durcheinander. Gewürz- und Essensdüfte durchdrangen die Einrichtung und ermutigten, Neues zu probieren. Informationen über Religionen und Traditionen wurden ausgetauscht. Bei Musik, Liedern und Tänzen konnten Erwachsene und Kinder mitmachen. Viele „neue Sprachen der Verständigung" wurden gemeinsam entdeckt: Mimik, Gestik, das Einander-anschauen, das Sich-gegenseitig-helfen.
Das Fest hat Kinder und Erwachsene stolz gemacht auf ihre Herkunft, ihre Sprache, ihre Fähigkeiten. Sie alle sind unentbehrliche Mitglieder der Kita geworden und arbeiten zusammen. Das Fest hat einen Prozess ausgelöst, der eine stabile Basis für die weitere Arbeit ist. Und es klappt.
Die Fortschritte
Mütter kommen zum Kochen mit Kindern und eröffnen ihnen eine neue Welt kulinarischer Genüsse. Väter kommen in ihrer Landestracht und bringen Bilder aus ihren Heimatländern mit.
Die Angst vor noch mangelnden Kenntnissen der deutschen Sprache ist bei den Erwachsenen fast verschwunden. Sie haben Wege der Verständigung gefunden.
Und bei den Kindern?
Immer wieder werden Sätze in die verschiedenen Sprachen übersetzt und bisher unbekannte Lautphoneme geübt. Jedes Kind erfährt, dass seine Sprache wertvoll und interessant ist.
Nicht nur Englisch in der Kita, sondern vielleicht… – den Kindern macht es Spaß und viele Lieder singen sie schon in mehreren Sprachen!
Weitere Anregungen von Ingeborg Becker-Textor finden Sie auf www.kindergartenpaedagogik.de und www.kindertagesbetreuung.de.





