Naturbildung
So viel Wald wie möglich!
von Thomas Klingseis
Vor allem im Winter, wenn es kalt und ungemütlich ist, haben Eltern, aber auch Erzieher/innen, einige Argumente parat, lieber drinnen zu bleiben: Die Kinder könnten sich erkälten, die Kleidung wird schmutzig und was kann man da schon lernen?
Doch zahlreiche Studien in den Bereichen Neurophysiologie und Natur- und Umweltbildung belegen, dass eine möglichst naturbezogene Bildung die beste aller Bildungen ist. Nicht zuletzt dokumentieren das auch die PISA-Sieger-Länder (Finnland, Schweden, Kanada) mit ihrer gezielten Outdoor-Pädagogik. Bildung gelingt vor allem dann, wenn die Natur als Lehrmeister, als
Erfahrungsraum, als Lernangebot nicht ausgeklammert wird.
„Wer nicht matscht, bleibt dumm“, so fasst Manfred Spitzer (sicher auch ein „Über-Spitzer“) das wichtigste Lernmaterial für Kinder zusammen und schließt dabei die Unter-Drei-Jährigen mit ein. Er meint damit den uralten Zusammenhang zwischen Hand und Hirn, das „Begreifen“. Dazu „Herz“, Emotion: „dabei sein“ und zwar „voll“ dabei sein!
Vor allem Naturmaterialien bieten dem Menschen ein adäquates Pendant, mit dem er sich die Welt aneignen kann. „Matsch“ (oder im übertragenen Sinne auch Stöcke, Steine, Blätter, Moos, Erde …) ist das Vorgefundene, das Gegebene. Über unsere Sinne (Wie fühlt sich das an? Wie riecht es? Wie schmeckt es? Wie sieht es aus?) erfahre, „begreife“ ich etwas von meiner Welt, nehme das Gegebene als gegeben an.
Gute Argumente für Wald bei jedem Wetter:
- Der Aufbau einer positiven, ein Leben lang anhaltenden Bindung zu konkreten Orten wichtiger emotionaler und sozialer Natur-Erlebnisse („Da hatten wir unsere Hütte gebaut. Der Sturm hat sie dann auseinander gefegt. Aber wir haben sie wieder aufgebaut und dann hat sie gehalten!“).
- Das Erleben der Jahreszeiten in ihrem wunderbaren Zyklus.
- „Aushalten“ können, Durchhaltevermögen, Frustrationstoleranz, Anstrengungsbereitschaft werden gerade bei widrigem Wetter besonders gefordert und damit gefördert.
- Unser Immunsystem funktioniert am besten, wenn es immer wieder herausgefordert wird.
- Zur Bewältigung der globalen Krise hilft es nur, wenn es uns in Zukunft gelingt, Menschen dabei auszubilden, sich mit kreativer Kraft (gemeint ist Innovation und Selbstbewusstsein) gegen die zerstörerischen Tendenzen stemmen zu können. Und dabei hilft Natur.
Praxistipps:
- Organisieren Sie Wald-Tage, -Wochen, -Projekte so, dass „Wetter“ kein Argument für ein Verschieben, Ausfallen ist.
- Schaffen Sie sich für die ganze Einrichtung eine Grundausstattung an (Buddelhosen, gute Schuhe, winterfeste Kleidung). Eltern hinterlassen Ihnen oft gerne für die eigenen Kinder nicht mehr Passendes. Eventuell ist Ihr „Outdoor“-Anbieter vor Ort als Sponsor bereit.
- Machen Sie sich durch gezielte Fortbildung/Information fit für die Gegen-Argumente von Eltern, Trägern, etc.
- Eine ganz einfache Übung ist es, Gefahren in Haus, Garten und Stadt den Gefahren in Wald und Natur gegenüber zu stellen. Die ersteren überwiegen!
Über Thomas Klingseis
Zur geistigen, emotionalen und kreativen Bewältigung der unermesslichen Vielfalt, die die Natur bietet, hat Thomas Klingseis „bio-scouting“ entwickelt. Ein Konzept, um den Zugang zur Natur individuell gestalten und erleben zu können. Für alle Altersgruppen.
Über die Mitarbeit bei der bundesweiten Bewegung „Waldkindergarten“ – Vorstand im Waldkindergarten Tübingen Eichhörnchen e.V., Mitarbeit im Landesverband der Wald- und Naturkindergärten Baden-Württemberg und des Bundesverbandes der Natur- und Waldkindergärten – ist Thomas Klingseis als Fachmann für das Thema „Wald/Natur und Kinder“ bekannt.
Weitere Infos unter www.bio-scouting.de






