Lernen im freien Spiel

Sprachberatung

In welcher Umgebung und mit welcher Art von erzieherischer Unterstützung lernen Kinder am besten? Erzieherin, Motopädagogin und Sprachberaterin Barbara Perras gibt Tipps und Anregungen.

Von Barbara Perras

Gesunde und normal entwickelte Kinder lernen im freien Spiel am besten. Um ihre Bildung und Entwicklung muss sich eine Erzieherin in einer gut vorbereiteten Umgebung keine Sorgen machen. Und die Kinder, von denen wir glauben, sie trainieren zu müssen, sollten sich selbst ordnen, auf ihre ganz persönliche Weise und im selbst gewählten Tempo. Die Erzieherin kann beobachten, begleiten, einfach da sein. Sie kann unterstützen, dass Kinder von Gleichaltrigen lernen, und sie kann Rückzugsmöglichkeiten schaffen. Was oberflächlich wie Nichtstun aussieht, ist ganz schön anstrengend!

Mein oberstes Ziel – auch im Rahmen meiner Tätigkeit als Sprachberaterin – ist es, den Kindern Räume – Zeit und Ort – anzubieten, in denen sie sich Sprache selbst erobern können. Kinder wollen nach Vorstellen eines Spiels oder Spielmaterials oder von Bilderbüchern diese selbst noch weiter untersuchen (dürfen). Sie brauchen deshalbeine Leseecke, gut ausgestattet mit

• Büchern mit und ohne Bilder, für beide Geschlechter, für verschiedene Interessen- und Altersgruppen, mit unterschiedlichen Zeiten und Sprachstilen (Es war einmal... , Sachberichte usw.),
• eine Wandtafel zum Schreiben mit Kreide und zur Befestigung von Magneten und Magnetbuchstaben,
• Papier, Hefte, Schreibmaterial und Stempel, im besten Fall noch eine alte Schreibmaschine,
• einen Kassettenrecorder und/oder CD-Player (mit Kopfhörern), über den sie frei verfügen können,
• verschiedenste Plakate und Poster (Anlauttabellen und Reimwörter mit Bildern usw.)
• so genannte Fotovorhänge – aus transparenter Folie mit vielen Taschen, welche immer wieder neu gefüllt und verändert werden können,
• Buchstaben, welche sie tasten können,
• kreative Bastelmethoden zum Herstellen von Buchstaben (mit Wolle nass oder trocken filzen; Gießen mit Gipsmasse, Wachs oder Seife; mit Bügelperlen usw.),
• Schablonen, mit denen sie selbständig arbeiten dürfen,
• Symbole und Karten, die sie auf ihrem Weg zur Schriftsprache begleiten,
• die Vernetzung von Bewegung und Sprache,

außerdem noch unzählige Gelegenheiten, selbstwirksam tätig sein zu können, weil vor allem Jungen unter zu starker Führung im Vorschulalter leiden und dadurch im Lernen benachteiligt sind, und viel, viel Zeit und Freiräume für Phantasie und Kreativität.

Barbara Perras ist Erzieherin und Motopädagogin sowie Sprachberaterin beim Evangelischen Landesverband.
Kontakt:
birkhof-mit7sinnen@t-online.de.
Einen umfangreichen Beitrag zum Thema finden Sie im Online-Handbuch Kindergartenpädagogik (
www.kindergartenpaedagogik.de).

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