Raketenprojekt

Wie nähern sich Kinder den Geheimnissen der Naturwissenschaft und Technik? Um das herauszufinden und aktiv zu fördern, empfiehlt Autorin Antje Bostelmann das „Raketen-Projekt“. Am Beispiel einer Kindergartengruppe erzählt sie, wie’s geht:

Von Antje Bostelmann


Wir bauen eine Rakete
Wir bauen eine Rakete, mit der wir ins Weltall fliegen. „Dann können wir nachprüfen, ob es Außerirdische wirklich gibt“, schlägt ein Kind vor. Also los! Raketen kann man immer bauen, ins Weltall fliegen vielleicht eher nicht. Den Kindern ist das im Moment aber nicht so wichtig. Hauptsache, sie können ihre Vorstellungen von der Rakete umsetzen. (…)
Für den Körper der Rakete verwenden die Kinder einen riesigen Pappkarton und schneiden mit dem Cutter vorsichtig Fenster hinein, Sterne, Monde, ein Herz, aber auch ein Auto: Abbildungen für die Außerirdischen, die all das nicht kennen. „Das können wir ihnen dann zeigen, falls sie uns nicht verstehen“, meint Sami. Nun wird die Rakete mit Folie überzogen. Schließlich darf keine Luft entweichen. „Wieso?“, fragt jemand. „Gibt es im Weltall keine Luft? Was ist denn sonst dort?“
Während die Kinder über die Außerirdischen und die Luft nachdenken, wächst die Rakete. Für alle Fälle haben sie einen Briefkastenschlitz an der Raketentür angebracht. Einen Außerirdischen aus Pappmaschee haben sie auch gebaut. Balabas heißt das dreibeinige Wesen. Alles an ihm ist anders als bei uns Menschen. Wie mag er sprechen? Wie soll man sich mit ihm verständigen?

Wir machen eine Wörterbuch für Außerirdische
Einige Kinder verfassen ein Wörterbuch und übersetzen unsere wichtigsten Wörter in die Sprache von Balabas. Was sind die wichtigsten Wörter und Redewendungen? „Bitte“ und „Danke“. „Wie geht es dir?“ Oder vielleicht: „Tu uns nichts!“ Was braucht man eigentlich, um sich mit jemandem zu verständigen, der unsere Sprache nicht spricht?
An der Rakete ist noch viel zu tun: Ein alter Regenschirm wird mit Alufolien beklebt und übernimmt die Rolle der Raketenspitze. Immer wieder finden die Kinder Dinge, die sie an die Rakete anbauen. Nichts ist Dekoration, alles hat eine Funktion für den geplanten Raumflug: Flügel mit Solarzellen, die aus glänzenden Kronkorken bestehen und aufgeklebt werden. Der wichtige Schalter mit funktionierender, roter Lampe. Sauerstoff-Geräte aus alten Jogurt-Flaschen – mit Schlauch und Atemmaske –, die man auf dem Rücken tragen kann. „Schließlich können die Astronauten ja nicht Luft holen, wenn sie aussteigen!“, weiß Jonathan. (…)


Rückblick

Die Mitwirkenden konnten sowohl ihre Vorstellungen als auch bereits vorhandenes Wissen über das Weltall strukturieren. Als sie Fenster in die Rakete schnitten, fiel ihnen ein, dass die Außenhaut verkleidet werden muss, weil das mit der Luft im Weltall anders ist als auf der Erde. (…)
Auch das Deutsch-Balabesische Wörterbuch ermöglichte Lernen durch Probehandeln: Von den Außerirdischen mal abgesehen – zur Verständigung in der Kindergruppe ließ sich das Buch problemlos verwenden. Und nebenbei erfuhren die Kinder, wie Sprache funktioniert. Hier auf der Erde, in Europa, nicht nur in der Fantasie.

Unser Raketen-Projekt stammt aus dem Buch „Bildungsabenteuer Kindergarten“ von Antje Bostelmann.


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